Leipzig, 26. Februar 1990: Willy Brandt

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smokeonthewater


Premium (World), Berlin

Leipzig, 26. Februar 1990: Willy Brandt

Wahlkampfveranstaltung der SPD für die ersten demokratischen und zugeich letzten Wahlen in der DDR – zur Volkskammer am 18. März 1990

120 000 Menschen auf dem Karl-Marx-Platz (heute wieder Augustusplatz) jubeln dem 76-jährigen Ex-Bundeskanzler und SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt (1919–1992) mit Tränen in den Augen zu. Auch er ist sichtlich gerührt.

"Der Zug der Einheit rollt. Jetzt kommt es darauf an, dass niemand unter die Räder kommt. Das zu verhindern ist wichtiger als der Komfort derjenigen, die Erster Klasse fahren."

Neben Brandt zu sehen: Ibrahim Böhme (1944–1999), damaliger SPD-Kandidat für das Amt des letzten DDR-Ministerpräsidenten. Sowohl durch Böhmes spätere Enttarnung als Stasi-IM als auch durch den Wahlsieg der CDU wurde Lothar de Maizière letztes Staatsobehaupt der DDR – bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Ganz rechts zu erkennen: Anke Fuchs. Die wenig charismatische SPD-Politikerin kandidierte später für die sächsische Landtagswahl am
14. Oktober 1990, unterlag aber hoffnungslos dem eloquenteren und kompetenteren CDU-Spitzenkandidaten Kurt Biedenkopf (53,8 %).


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Commenti 7

  • gelbhaarduisburg 25/02/2018 22:33

    Hätte er gewußt, dass, was zusammengehört, zu dem zusammenwächst, was es heute ist... Er hätte beim Aussprechen des berühmten Satzes zu heulen begonnen und wäre drei Jahre früher gestorben.
    • smokeonthewater 26/02/2018 1:58

      Seine Partei hat auch ein paar Aktien an der negativen Entwicklung. Schröder war der Anfang vom Ende der Sozialdemokratie. So suchen sich die Menschen neue Alternativen, leider am falschen Rand.
    • gelbhaarduisburg 26/02/2018 7:30

      Ach, die SPD hat sich im Lauf ihrer ganzen Geschichte schon so oft selbst verraten, da war Schröder doch bloß das überlaufende Pilsfass. Wenn man im Ruhrpott lebt, bekommt man von den so genannten Genossen ohnehin ein sehr fragwürdiges Bild, mir fällt bei den Herrschaften hier bei uns oft das berühmte Humboldtsche Zitat ein, "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.", und damit hatte er ja eigentlich Leute gemeint, die wir heute bei der AfD finden.
  • BluesTime 31/05/2013 18:44

    und an seiner seite stasi-im ibrahim böhme ...
    lg
  • smokeonthewater 11/09/2012 16:16

    @utico: Die Aussöhnung der Bundesrepublik mit Polen. Wenn wir Deutschen heute von den Polen nicht mehr verachtet werden, dann wegen Brandt. Wenn wir wieder verachtet werden, dann wegen der aktuellen Regierung und solcher Schnepfen wie Steinbach.

    Alle anderen solzial(demokratisch)en Erfolge haben seine Nachfolger kaputt gemacht. Dafür kann er nichts.

    Und er hatte den Schneid zurückzutreten, als er ohne sein Verschulden ausspioniert worden war. Heute kleben die politischen Versager so fest am Sessel, dass Du sie aus dem Amt prügeln musst und alle Skandaldetails bereits offenliegen. Er hat also ein Stück politische Kultur vorgelebt.
  • smokeonthewater 11/09/2012 13:52

    @Sigrid: Du hast ja leider so Recht! Brandt war ein großer Politiker und der letzte Sozialdemokrat alter Schule. Seine Haltung zu unseren östlichen Nachbarn, der Kniefall von Warschau und überhaupt sein Charisma – dagegen haben wir doch heute nur noch Witzfiguren und Karrieristen!
    LG Dieter
  • smokeonthewater 11/09/2012 12:17

    @utico:
    Da hast Du Recht. Allen Politikern war klar, dass es nicht nur Gewinner geben wird. Die SPD warnte vor den unmittelbaren sozialen Folgen der Wiedervereinigung und plädierte zunächst für das Fortbestehen der DDR. Das wollte damals im Wahlkampf natürlich niemand hören, statt dessen wollten alle nur an die "blühenden Landschaften" des Helmut Kohl glauben.

    Es hatte also keinen Sinn, sich gegen Volkes Willen zu stellen und die Wiedervereinigung verhindern zu wollen.

    Brandt hatte bis kurz vor dem Mauerfall selbst nicht an eine Wiedervereinigung geglaubt. Noch im September 1989 sagte er: "Wiedervereinigung ist die Lebenslüge der zweiten deutschen Republik." Erst am 10. November korrigierte er sich: "Nun wächst zusammen, was zusammengehört."