Matthias von Schramm


Premium (World), Hamburg

Die endliche Schwierigkeit des Seins

Er ist Schauspieler und Mädchenschwarm. Er tätowiert seinen Groupies Figurbewertungen in ihre Innenschenkel, wenn sie schlafen. Ansonsten gilt er als scheu. Er tritt immer mit Sonnenbrille und Bademantel vor sein Hotelzimmer und gibt kurze Interviews. Er antwortet beinahe ausschließlich in Einwortsätzen. Dann lässt er die Meute wieder entfernen und entschuldigt sich leise und mit Demut in der Stimme. Nun ist er wieder allein mit sich und dem Fernseher. Er schnitzt Kerben in jedes Hotelgerät und malt kunstvolle Verzierungen auf die Mattscheibe. Früher bekam er Rechnungen wegen Sachbeschädigung, heute verkaufen die Hoteliers die Werke auf Kunstauktionen und erzielen Höchstpreise. Er bestellt sich Knaben mit schönen Schlüsselbeinen aufs Zimmer. Hinter den Verzierungen laufen Pornos mit grellen überzeichneten Farben. Der Ton ist extrem laut gestellt, die Knaben knabbert er bis auf die Knochen ab.

Ab und zu besucht er das Grab seiner Mutter. Dann kniet er nieder und zeigt ihr die DVD Cover seiner letzten Filme. Er kniet dort oft eine Stunde und wartet auf Antwort.

Manchmal besucht ihn seine Frau und bringt das Kind vorbei. Er gibt seinem Sohn jedes Mal die Hand und fragt nach dem Vornamen. Der antwortet: „Ich heiße Verachtung!“ Seine Frau sieht ihm tief in die Augen und sagt: „Versuch es doch einmal mit Zärtlichkeit!“ In diesem Moment wendet er sich weinend ab.

Verachtung will mit der Carrerabahn spielen.

30. April 2010

Frau Dr. Labskaus
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Matthias von Schramm


Die Zellennachbarin
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Matthias von Schramm

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