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Für "Nur-Bildergucker":
Tarahumarakind – erste Kontakte - Neugierde auf beiden Seiten
Für Bildergucker und Geschichtenleser:
Reise auf einen anderen Stern!
Januar 2004
Es ist still an diesem Ort und nicht etwa nur leise. In dichtem Nebel ist nichts zu hören, außer dem Knistern unserer Kleidung, wenn wir uns erwartungsvoll auf den Autositzen hin und her bewegen. Wir stehen mit unserem Geländewagen auf einem der Gipfel des Batopilas-Canyon in Chihuahua, Mexiko.
Der Fahrer hat den Motor abgestellt, eine der Frauen ist ausgestiegen und rüttelt an der verschlossenen Tür des Hauses, sie ist jetzt schon zum vierten Mal hier und kennt sich ein wenig aus.
Vor viereinhalb Stunden haben wir uns zum letzten Mal, kurz hinter Creel, auf einer asphaltierten Strasse befunden. Danach ging es über einen Verkehrsweg, der uns als „Dirt-Road“ beschrieben worden war, diesen Standart jedoch bei weitem nicht erreicht. Während der Fahrt hatte ich mir oft gedacht, dass die Camel-Trophy gegen diesen Weg ein Kinderspiel sein musste. Auch war mir klar geworden, warum sich der Fahrer zu Beginn der Reise bekreuzigt und an einer kleinen Kapelle eine Kerze entzündet hatte.
Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als sich aus dem Nebel eine Gestalt nähert. Ein älterer Herr – etwa 60 Jahre alt kommt auf uns zu. ‚Das muss Romayne sein’, denke ich mir und steige aus dem Wagen aus. Den Mann umgibt eine höchst sympathische Ausstrahlung und ich muss unweigerlich lächeln, als ich auf ihn zugehe und mich vorstelle. Vielleicht ist es die Stille, vielleicht die Umgebung, vielleicht er … ich fühle mich wohl. Vielleicht ist es aber auch ein wenig von allem …
Außer mir sind noch zwei weitere Frauen zum ersten Mal hier und auch sie stellen sich vor. Unsere Gruppe besteht insgesamt aus sieben Personen. Drei Damen von Helping Hands (diesmal aber aus Alamogordo, NM), einer Bekannten Romaynes aus Juarez, dem Fahrer, seiner Frau, die für uns kochen wird und letztlich meiner Person.
Unsere Ankunft und das Gerede unserer Begrüßung muss in dieser Umgebung wie ein Paukenschlag geklungen haben. Ich sehe kleine Gestalten, eingehüllt in Decken, durch den Nebel huschen. Neugierige Kinderaugen schielen um Hausecken, Köpfe verschwinden, wenn man sich nach ihnen umdreht.
Wir entladen den Wagen. Proviant, persönliche Ausrüstung und andere Mitbringsel werden in ein Steinhaus getragen, das nur aus einem Raum und einem kleinen angrenzenden Bad besteht.
Der Raum liegt im Dämmerlicht. Ich sehe ein Klavier an der Wand, ein Bett, einen Tisch und ein paar Stühle. An den Wänden hängen einige Bilder, im Eingangsbereich eine Staffelei mit einem Gemälde darauf. Zwei Leitern führen den Blick auf eine Zwischendecke, die eingezogen wurde und offenbar mehrere Schlafstätten beherbergt. Eine höchst effiziente Ausnutzung des verfügbaren Raums, wie ich meine.
Ein Brett läuft in Kopfhöhe über zwei der vier Wände und dient etlichen Büchern, Videokassetten und CDs als Aufbewahrungsort. Bevor ich mir jedoch die Titel ansehen kann, werde ich in die Küche beordert, wieder ein einzelner Raum in einem kleinen Anbau, wo man sich meiner 1,85 m Körpergröße erinnert hat. Proviant ist aufzubrechen und meine Länge ersetzt mühsames Besteigen von Stühlen und Hockern, um unzählige Kartons und Dosen auf und in Schränken und Regalen zu verstauen.
Als endlich alles verräumt ist, tauschen selbstverständlich alte Bekannte erst einmal Erfahrungen und Neuigkeiten aus. Ich sehe mich in der Küche um: Ein Kühlschrank, der offensichtlich außer Funktion ist, ein Gasherd, ein paar kleine offene Schränke, Tisch und Stühle, eine Spüle und ein Holzpfahl, der neben seiner Funktion als Dachstütze dazu dient, die Kaffeetassen an Nägeln aufgehängt zu tragen. Sehr spartanisch, aber mir ist schon jetzt klar: Alles was man wirklich braucht ist vorhanden.
Die Kaffeetasse haltend, den Blick auf die blonde Oberfläche des Löslichen gesenkt ohne ihn wirklich zu sehen, schweifen meine Gedanken ein paar Monate in die Vergangenheit …
Die Flüssigkeit verschwimmt und ich sehe mich mit einem Bekannten im Büro sitzen, Bilder betrachtend, die er und seine Frau genau an dem Ort gemacht haben, an dem ich mich gerade befinde. Er hatte mich vorgerwarnt („Wir sind ja keine Fotografen …“) und ich spare nicht an süffisanten Verbesserungsvorschlägen. „Selber hinfahren, besser machen!“ hatte er mir schmunzelnd empfohlen … Seit diesem Moment war für uns beide irgendwie klar gewesen, dass ich tatsächlich einmal an diesen Ort musste …
Monate später wurde das Paar zurück nach Deutschland versetzt, hatte mein Anliegen aber noch nicht vergessen. Man wollte die „Abschiedsfeier“ nutzen, um mich mit einer Kontaktperson aus Juarez bekannt zu machen, die (gegenseitiges Gefallen vorausgesetzt) mich unter ihre Fittiche nehmen und mir die Reise ermöglichen sollte. Meine Enttäuschung war recht groß, als ich feststellen musste, dass sie leider nicht an der Feier teilnehmen konnte. Ich hatte allerdings die Hartnäckigkeit meiner Gastgeberin unterschätzt. Drei oder vier Tage vor dem Rückflug – ein Termin, an dem man eigentlich Wichtigeres zu erledigen hat – stand sie urplötzlich in meinem Büro und stellte mir eine Frau Namens Ana-Maria vor …
Minuten später, nach wenigen Worten und einem Blick auf die Bilder aus der Colonia stand fest: Ich würde mit Ana-Maria nach Chihuahua zu den Tarahumara reisen…
„Dirk is a friend of Manfred and Sabine …“ Ihre Stimme lässt mich und meine Gedanken in die kleine Küche zurückkehren. Es ist an der Zeit, dem Gastgeber ein wenig mehr über mich zu erzählen und auch ein wenig über seinen Hintergrund zu erfahren ….
-Fortsetzung folgt-
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Danke an Alle, die mir diese Reise ermöglicht haben.
An dieser Stelle besonders der Familie Wedig für ihren Einsatz zur Herstellung der notwendigen Kontakte!
Jaja - kein Fotograf... Mir kannst Du das nicht weismachen! :-) Wie schön, wieder mal eine ausführliche Story von Dir präsentiert zu bekommen. Ich freu mich schon auf die Fortstetzung!
Ach ja - und das Foto ist zucker!!!
Liebe Grüße aus Wien
HELENA
schön dich wieder "an bord" zu wissen.
wie immer eine klasse story mit einem guten bild.
schade das die schärfe auf der decke liegt und nicht im gesicht.... aber ich nehme mal an die kleine hat sich bewegt... (ich muß halt auch mal meckern..:-))) )...
kinder haben eben ihr eigenes "fotoleben" *ggg*
das foto ist klasse... keine frage..
die geschichte: fesselnd. mir fällt es schwer, wieder an die vermaledeite arbeit zu denken...
zusammen: eine unschlagbare kombination..
bin schon auf die fortsetzung gespannt !
Ich findes das Porträt sehr Ausdrucksstark und Authentisch. Es vermittelt Gefühle - das Selbstbewusstsein des Kindes, seine Neugier ...
Dafür ein klares Pro von mir.
LG vom Niederrhein Klaus-Uwe
huh ... da fährt man mal ein paar tage weg ... schade, sonst hätte ich dem offenen contra-voter noch ein paar frechheiten machen können ... jetzt ist's wohl zu spät :-)
danke vitor für den vorschlag und dank allen votern!
@christian + aktiva: der hintergrund resultiert aus dem nebel, der an 4 von 6 tagen unseres besuchs vorherrschte ... pure fog ... ;-)
@andreas + stefan: leidiges thema ... wobei ich mir recht sicher bin, dass sich das kind nicht bewegt hat ... was wiederum die frage aufwirft: wo stellt diese kamera scharf ... m.e. nach ist auch links und rechts vom gesicht mehr schärfe auf der decke als auf dem gesicht, obwohl sich das alles auf einer ebene befindet ... noch ein paar tage und die herren von canon können sich mit dem problem befassen ... ;-)
das ist mein Lieblingsbild aus der Serie. Freut mich, dass ihr die Gelegenheit hattet diese Reise zu machen und danke, dass du ein paar Eindrücke mit uns geteilt hast! Dass eine Mehrzahl der fc-ler ihre Vorstellung von " Schärfe" immer noch höher bewerten, als das Geschenk, das sie mit diesen Bildern bekommen, halte ich für grob undankbar und respektlos......
aber so sind sie nun mal.......
lg
mia
Verena Scholze, 14.02.2004 alle 7:34
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