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Einfache Schokolade ist mein Metier und ich freue mich, wenn sie anderen schmeckt. Allerfeinste Schokolade gibt es nicht bei mir, die findet man in der Galerie. Ich selbst mag lieber Pralinen, der Füllung wegen.
Ich sammle deswegen in meinen öffentlichen Favoriten Pralinen. Aber jetzt bitte nicht lesen, wie es anderen geschmeckt hat, sondern selbst probieren und sein Urteil abgeben! Sonst hat man nicht viel davon. Den eigenen Eindruck mit den Anmerkungen anderer vergleichen, das kann man auch noch danach.
Wie bei Pralinen weiß man bei manchen Fotos nicht, was drinsteckt. Manche sind mit großer Sorgfalt und Überlegung gemacht, sehen aber nicht so schön aus, dass sie den Betrachter sofort in Entzücken versetzen. Deswegen kommen sie auch nicht in die Galerie. Man fragt sich, warum sie gerade so gemacht wurden. Ihre Raffinesse erkennt man erst, wenn man angebissen hat. Im einfachsten Fall sind es Rätselbilder mit einer Lösung als Belohnung. Oft sind solche Fotos bewusst etwas unscharf oder schwarzweiß, um Informationen zu entziehen, oder sie verstoßen gegen ästhetische Regeln, um die Aufmerksamkeit gezielt auf einzelne Bildelemente zu lenken oder davon abzulenken. Bei den besten Pralinen ist die Bildaussage weder offensichtlich noch eindeutig, und mehrere Betrachter kommen zu verschiedenen Deutungen. Die Raffinesse besteht darin, die Neugier des Betrachters zu wecken und ihn zu einer Interpretation zu verleiten, ihn aber in Unsicherheit zu lassen und ihn in Widersprüche zu verwickeln. Im Idealfall sind solche Fotos Anlässe, um über wichtige Fragen des Daseins nachzudenken. Die Belohnung für den Betrachter sind die Gedanken, die er sich dazu macht.
Umso größer ist die Enttäuschung über leere Pralinen. Äußerlich sind sie von den gefüllten nicht zu unterscheiden. Auch bei diesen Fotos fragt man sich zunächst, warum sie gerade so gemacht wurden. Aber wenn es - auch nach längerer Betrachtung - zwar vieles zu sehen gibt, aber nichts von Bedeutung, irrt die Phantasie nur umher. Auch Bilder, die durchweg verschwommen sind und alles im Unklaren lassen, geben der Phantasie keine Nahrung. Ohne Halt und ohne Grenzen ufert die Phantasie nur aus oder sie verkümmert. Es fällt einem dazu nichts ein oder es passt nicht. Entsprechend sind die Anmerkungen. Oft findet man auch Fotos, bei denen in voller Absicht, aber ohne jeden Grund gegen das ästhetische Empfinden verstoßen wird. Da will einer auf sich aufmerksam machen und zeigen, wie kreativ er ist. Bei solchen „Kreationen” ist bestenfalls noch ein technischer Hinweis sinnvoll. Grundlosigkeit eignet sich nicht als Argument zur Rechtfertigung, deswegen wird Kritik ignoriert oder floskelhaft zurückgewiesen: „Gerade so gefällt es mir!” Das muss man akzeptieren, anerkennen kann man es nicht. So mancher Kreative mag sich deswegen verkannt fühlen.
Die Einteilung in gefüllte und leere Pralinen dient nur der Veranschaulichung. In Wirklichkeit lassen sich Fotos meistens nicht so eindeutig einer Gruppe zuordnen.
Jemand hat einmal in seinem Profil etwas geschrieben, das auch auf mich zutreffen kann: Ich bilde mir ein, auch Fotos beurteilen zu können, die meine eigenen fotografischen Fähigkeiten weit übersteigen.