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Fotografieren ist seit vielen Jahren meine zentrale Leidenschaft. 20 Jahre lang fotografierte ich im Mittelformat und seit Ende 2001 digital. Ehemals verarbeitete ich die Bilder im eigenen Fotolabor und jetzt am PC mit Photoshop.
Eigentlich fotografiere ich alles, was sich dem Auge erschließt, was nicht zu schnell flüchtet oder sich nicht militant wehrt. Aber Schwerpunkte sind die Landschafts-, Natur- und Reisefotografie.

Ich freue mich natürlich darüber, wenn ein Bild von mir Beachtung findet. Allerdings: Anmerkungen des Typs "Woww - kommt gut!" schmeicheln zwar, werden aber von mir nicht favorisiert. Deshalb vernachlässige ich auch Kontakte mit den Fotofreunden, die sich in dem Huldigungs-Olymp der ">20 Anmerkungen pro Bild" aufhalten. Meine Erfahrung: Wer 20 Kommentare für jedes Bild regelmäßig erhält, revanchiert sich in der Regel mit belanglosen Re-Kommentaren, weil es aus Zeitgründen gar nicht anders geht.

Meine Haltung zur EBV:
Jedes Bild, das ich hier vorstelle, wurde mehr oder weniger per EBV gestaltet, verändert. Hier werden Kontraste und Farben gemildert, dort betont., Ausschnitte verändert, störende Details entfernt,stürzende Linien aufgerichtet. Für mich ist also nicht eine irgendwie definierte Pro- oder Kontra-Haltung zur EBV maßgebend, sondern es zählt ausschließlich das Bildergebnis. Und das stelle ich hier zur Diskussion.

"Tagebucheintrag" am 14. Okt. 2004
Heute morgen hörte ich bei NDR Kultur einen Ausschnitt aus der Selbstbiographie von Mark Twain. Er erzählte in seiner unvergleichlich anschaulichen Art davon, dass ihm immer wieder Manuskripte von schreibenden Laien mit der Bitte zugeschickt würden, eine kritische ja, eine sehr kritische Würdigung ihres Kunstwerkes vorzunehmen, da man ja um die Beschränktheit der eigenen Möglichkeiten wisse. Mark Twain faßte allerdings die Erwartungshaltung der Bittenden in der Form zusammen, dass er erfahren habe, dass die Einsender nur an einem Interesse hätten: Zustimmung, Lob und eigentlich auch eine Verbeugung vor der "künstlerischen" Leistung...
Ach, wie mich das an Erfahrungen hier in der fc erinnerte, wenn in den Profilen um ungeschminkte Bildkritik gebeten wird. ;-)

Nachtrag 26. Juli 2006
Im Kontakt mit Freunden stelle ich eine ähnliche Entwicklung in der fc-Mitgliedschaft fest: Zunächst wartet man geradezu sehnsüchtig auf Rückmeldungen zu den vorgestellten Bildern. Dann stellt man fest, dass man Kommentare fast nur dann erhält, wenn man selbst regelmäßig kommentiert. Es bildet sich dann bald ein Kreis Gleichgesinnter, die sich wechselseitig kommentieren. Auf Dauer nutzt sich das aber ab, weil man langsam voneinander weiß, was man kann, auf welchem fotografischen "Level" man sich bewegt. Zum 64. Blumen- oder Landschaftsbild fällt einem keine originelle Stellungnahme mehr ein. Man wiederholt sich. Das alles kostet Zeit. Zeit, die einem bei der eigenen Bildverwaltung und Bildbearbeitung fehlt. Gegenwärtig stelle ich fast ausschließlich nur noch Bilder in den Ordnern für Freunde und Bekannte vor, die in der Regel keine fc-Mitglieder sind. Rückmeldungen erhalte ich dann durch die Anzahl der Klicks, die ein Bild erhält. Manchmal auch durch Verkaufsanfragen. Mich freut das - und das reicht mir. Gerne schaue ich mir natürlich weiterhin hier vorgestellte Bilder an. Von manchen lerne ich bei der Betrachtung - in der Summe wahrscheinlich mehr als von mehr oder weniger zufälligen und unterschiedlich kompetenten Kommentaren.

Nachtrag am 24. April 2007
Soeben habe ich ein Bild im Channel Natur hochgeladen - und erlebe die atemberaubende Dynamik der fotocommunity. Wenige Sekunden nach dem Hochladen war das Bild auf Seite 2 der aktuellen Bildpräsentation gelandet. Keines der vorhergehenden Bilder erfreute sich eines Kommentars. Ich glaube, wir haben jetzt eine Galerie, die von Myriaden von Bildvorstellern lebt. Da gerät die Anzahl der Bildbetrachter ziemlich in den Hintergrund.

Nachtrag vom 28. Januar 2008
Die Eindrücke der letzten Monate zusammenfassend, stelle ich fest, daß sich durch den Einzug der digitalen Fotografie vor allem in spezialisierten Nischen die vorgestellte Bildqualtiät atemberaubend entwickelt hat. Da sind es Vogelbilder oder Fotos von Pilzen oder Schmetterlingen und...und...und. Es ist wirklich begeisternd und anstiftend, was hier vielfach vorgestellt wird. Entscheidend ist allerdings, ob man angesichts der Massenflut an Bildern auch in diese Nischen noch vorzudringen vermag.

Nachtrag vom 27. Januar 2009
seit meinem letzten Eintrag ist ein Jahr vergangen - und es scheint mir, es wird wieder einmal Zeit...
Ok, man läuft alternd Gefahr, der "guten alten Zeit" hinterher zu laufen. Aber was war die "gute alte Zeit" hier in der fc? Nach meinen Erfahrungen war das hier einmal ein Forum in dem vielfach noch durch Bildkommentierungen bzw. -kritiken der Anspruch wahrnehmbar war, das gute Bild von dem sehr guten Bild und dem durchschnittlichen Bild unterscheiden zu helfen. Da lief auch manches schief - aber nicht so unglaublich systematisch wie nunmehr: "Liebe Grüße" stehen regelmäßig am Ende von Jubelbotschaften - auch für häufig ziemlich banale Bildvorstellungen. Wir sind hier alle inzwischen so nett, so unerbittlich nett zueinander, wohl deswegen, weil jeder "nette" Kommentar zu einem Bild einen "netten" Kommentar bei den eigenen Bildern zeugt. Ok, jede Zeit hat ihre eigene Inflation - und die hiesige ist ja vergleichsweise harmlos! :-)

Nachtrag vom 4. Okt. 2009
Ich möchte diese Stelle des Forums in aller Selbstbescheidenheit für ein paar Gedanken nutzen, die sich der Bedeutung von 1000 erhaltenen fc-Kommentaren widmen:

Gefühlte Nachfragen beim Statistischen Bundesamt und bei Noelle-Neumann ergaben nämlich folgendes Ergebnis:

Von 1000 Kommentaren werden 25% gar nicht gelesen.
Rest 750.
Von 1000 Kommentaren werden 25% zwar gelesen, aber erreichen nicht das Bewußtsein.
Rest 500.
Von 1000 Kommentaren werden 25% nicht verstanden.
Rest 250.
Von 1000 Kommentaren werden 10% verstanden und führen lediglich zur Belustigung.
Rest 150.
Von 1000 Kommentaren werden 10% verstanden und führen lediglich zur Verärgerung.
Rest 50.
Von 1000 Kommentaren werden 2% verstanden, können aber nicht umgesetzt werden, weil die technischen Voraussetzungen fehlen.
Rest 30.
Von 1000 Kommentaren werden 2% verstanden, können aber nicht umgesetzt werden, weil das know how fehlt.
Rest 10.
Von 1000 Kommentaren werden 0,5 % verstanden und können umgesetzt werden, führen aber zu einer Verschlechterung des Ausgangsbildes.
Rest 5.
Von 1000 Kommentaren werden 0,25% verstanden und können umgesetzt werden und führen zu keiner Verbesserung des Ausgangsbildes.
Rest 2,5.
Ein halbes Bild kann nicht verbessert werden, weil die andere Hälfte fehlt.
Rest 2.
Von diesen beiden Bildern wird das eine Bild, das im Sinne des Kommentars verändert wurde, von 50% der fc-Mitglieder negativ kritisiert und das andere Bild von 50% positiv.
Damit hebt sich die Wirksamkeit der beiden Kommentare zu den verbleibenden beiden Bildern im Gesamtergebnis auf.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Die Kommentierung von Bildern ist also im Grundsatz nicht schädlich! Die Frage ist nur WIE?
Bei der Kommentierung hat man die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, die sich in der Wortanzahl unterscheiden.
Wir lesen hier in der fc häufig Kommentare der Modellreihen „1- bis 5-Wort-Sätze“. Das heißt:

5-Wort-Satz.
Zum Beispiel: "Boahh, ein echt saustarkes Bild!" Diese Aussage kann in der Regel als starke Zustimmung gewertet werden.
4-Wort-Satz.
Zum Beispiel: "Ab in die Tonne!" Dieser Hinweis deutet an, dass eine Archivierung als nicht lohnend erachtet wird.
3-Wort-Satz.
Zum Beispiel: "Absolut geiles Bild!" Dieser Hinweis ist nicht zwangsläufig eindeutig zu dekodieren. Könnte sich evtl. auf die Oberweite der Porträtierten oder auf die Lichtstimmung des Sonnenunterganges beziehen. Ist also stark kontextgebunden!
2-Wort-Satz.
Zum Beispiel: "Ziemlich stark!" Kann in der Regel noch als Zustimmung gewertet werden - aber mit deutlichen Abstrichen.
1-Wort-Satz.
Zum Beispiel: "Bingo!" Dieser Hinweis ist vielschichtig interpretierbar. Er lässt alle Möglichkeiten offen und ist damit die qualitativ wertvollste Rückmeldung.

12. Okt. 2010
Rückblickend bewerte ich meine Mitgliedschaft in der fc insgesamt positiv. Vor allem in den ersten Jahren führten zahlreiche Rückmeldungen zu einer Verbesserung meines fotografischen Könnens. Seit geraumer Zeit bemerke ich, dass mein Interesse an Rückmeldungen zu meinen Fotos deutlich nachgelassen hat. Das hat zur Folge, dass ich nur noch in ganz seltenen Fällen selbst kommentiere. Das hat auch mit der unglaublich rasanten Entwicklung hier in der fc zu tun, die ich manchmal als schier inflationär erlebe. Deshalb entschied ich mich jetzt, meine Fotos auf einer eigenen Homepage meinen Freunden, Bekannten und auch anderen Interessierten vorzustellen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die technischen Möglichkeiten der Foto-Präsentation hier in der fc eher beschränkt sind: Fehlendes Vollbild und keine Möglichkeit zur Bildsortierung und Dia-Schau nenne ich als Beispiele. Deshalb reduziere ich ab November meine fc-Mitgliedschaft auf den niedrigsten Level. Die meisten meiner Fotos fliegen dann hier raus. Als "Free-Member" zeige ich ab jetzt noch einen Querschnitt meines fotografischen Schaffens in knapp 100 Fotos. Wer mehr sehen möchte, lade ich auf meine Website ein. Wer hie und da einmal reinschauen möchte, hier ist die Adresse: http://fotografisches-von-hus-to-hus.de/.
Hiermit grüße ich meine zum Teil langjährigen Wegbegleiter und versichere, dass ich nach wie vor immer wieder mal hier reinschauen werde, um mir deren Fotos auszuschauen.
Herzlich Grüße und allzeit gut Licht wünscht
Hansjörg Ulf Schneider

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